Konzepte

konzept herzstück


horten – kaufhaus - wiedereröffnet ?

zweifellos ist das kaufhaus ein herzstück der stadt und zugleich ist es ein herzstück in der bedeutung für seine einwohner.
für ein paar stunden soll es geöffnet werden. aber nicht in seiner ursprünglichen bedeutung als kaufhaus wollen wir uns dem gebäude näheren: um zu schauen - zu kaufen; sondern für einen moment wollen wir den ursprünglichen sinn des gebäudes hinter uns lassen um eine neue perspektive, eine andere sichtweise der dinge zu erfahren. die sinnentleerten räume öffnen uns den vorhang zu einer andere wahrnehmung. der vorhang als symbol für eine trennungslinie gilt es als hindernis zu überwinden,- wir wissen nicht genau was uns erwartet. vielleicht gelangen wir mit der rolltreppe in die obersten etagen, genießen den ausblick durch die gläserene fassade, laufen durch die sonst verborgenen gänge des treppenhauses – oder lassen die räume auf uns wirken. 

ist leere immer stillstand ?
unsere wahrnehmung wird das gebäude wiederbeleben...



Exposé Projektbeschreibung Paradies 2010
 

Die Philosophie
Das Paradies als Projektidee.
„Mit dem Begriff Paradies wird in unserem Kulturkreis oft zunächst die alttestamentliche Erzählung
von Adam und Eva und deren Vertreibung aus dem Garten ´Eden´ bezeichneten Garten assoziiert.
Tatsächlich ist ´Paradies´ dem Altpersischen entlehnt, wo es eine Gartenanlage mit Bäumen und
Bächen oder ein Wildgehege bezeichnet[...].“ (vgl. Artikel:„ Sehnsucht nach dem Paradies“
 auf den Internetseiten: http://www.idwonline.de/pages/de/news208144. Zugriffsdatum 30.10.2007)

Thema der Projektidee ist es, die Vorstellungen vom Paradies, der unterschiedlichen, kulturellen
Gruppen im Ruhrgebiet aufzugreifen.
Ziel ist es, Segmente einer „paradiesische Welt“ zu schaffen, deren Strukturen und Formen
nicht zwangsläufig zweckgebunden ausgerichtet sind, - außer dem Zweck, einem
ästhetischen Ideal von der Vorstellung vom Paradies zu entsprechen.
Diese Vorstellungswelt ist vielleicht als Ergänzung zu den industriell geprägten Landschaftsbildern
in der Region Ruhrgebiet zu verstehen.
Die unterschiedlichen Vorstellungen vom Paradies sind dabei verbindende Elemente
zwischen den Kulturen. Zugleich lassen sich Gemeinsamkeiten feststellen, die interessante
Schnittstellen ergeben, wenn der Gedanke an das Paradies visualisiert wird.
Kurz gesagt, ein jeder versteht was mit dem Begriff Paradies gemeint ist, über alle
kulturellen, weltanschaulichen, religiösen Grenzen hinweg.
So lautet zunächst die zentrale Frage: Wie stellst du dir das Paradies vor?
Egal ob historisch belegt, wissenschaftlich begründet oder als ganz persönliche Einschätzung,
wie man sich das Pradies vorstellt, die Beteiligten an dem Findungsprozess
sollen selbst entscheiden, welche Vorstellungen und Ideen umgesetzt werden sollen, um
ihrem Ideal nahe zu kommen.
Lassen wir unsere Phantasie spielen, denken wir an die versunkenen Stätten vergangener
Kulturen: Die Tempelanlagen, die Mayatempel auf einem Bergplateau, oder die Ruinen
Ankgor Wat, die Pyramiden, die Steinfiguren der Osterinseln...
Natürlich wird es nicht darum gehen irgendetwas nachzubauen.
Bezogen auf das Ruhrgebiet kann es bedeuten, vielleicht in einem spirituellen Sinne, der
Erde Ruhrgebiet etwas zurückzugeben; zum Dank für die reichen Schätze, die der Boden
hergegeben hat und die Wohlstand und Vielfalt ermöglichten.


Die Umsetzung
Die Gedanken und Überlegungen zum Thema Paradies bilden den Rahmen und das
emotionale Herz von einzelnen Umsetzungsprojekten. Das Projekt „Paradies“ schafft
weiterhin die Vernetzung regionaler Aktivitäten innerhalb der Stadt, zwischen den Städten
des Ruhrgebietes und über die Grenzen des Ruhrgebietes hinweg.
Je nach kultureller und sozialer Herkunft der Akteure, deren Methoden/Instrumente und den
zur Verfügung stehenden Mitteln, erhalten die Umsetzungsprojekte ein weitgehend
individuelles Gepräge.
Als Segmente einer paradiesischen Welt spiegeln Sie die persönlichen Sehnsüchte und
Motivationen von Menschen wieder, die im Kulturkontext Ruhrgebiet leben und Raum für ihre
Träume aktiv gestalten wollen.
Erste Umsetzungsprojekte zum Paradies sind geplant und zum Teil in ersten Schritten
begonnen worden. Sie sind immer mit den Namen der treibenden Akteure verbunden.
Umsetzungsprojekt „Glück an der Rheinischen Straße in Dortmund“
Die Frage nach dem Glück, in einem post-industriellen Siedlungsgebiet, eingezwängt
zwischen Gleisanlagen, vergangener Großindustrie und durchschnitten von einer Zufahrtsstraße
zum Stadtkern Dortmunds, wurde Besuchern und Besucherinnen des Quartiersfest
Rheinische Straße im September 2007 gestellt.
Menschen aus zahlreichen Kulturen, Kinder wie Erwachsene, schrieben und malten ihre
ureigenen Gedanken, Wünsche und Ideen zum Glück. Ergänzt mit dem eigenen Foto,
erstellten sie ihr Wunsch- und Glückblatt und überließen es den Initiatoren zur Erstellung
einer Sammlung.
Insgesamt 83 Blätter wurden zu einem Buch zum Glück gebunden und dokumentieren
individuelle Vorstellungen, aber auch den Zusammenhalt in einem objektiv gesehen
schwierigen Stadtteil.
Das Buch ist eine Brücke zwischen dem Union Gewerbehof in Dortmund und dem Stadtteil.
In aufgelassenen Industriegebäuden arbeiten dort seit Ende der 80er Jahre ca. 250
Menschen in 52 meist kleineren Unternehmen ohne eine besondere Beziehung zum
umliegenden Stadtteil.
Das Buch zum Glück liegt aktuell in den Räumen des Union-Gewerbehofes aus und wird von
den Bewohnern des Stadtteils besucht. Das Projekt ist ein Schritt, um in gemeinsamen
Aktivitäten den Stadtteil Rheinische Straße zu revitalisieren.

Umsetzungsprojekt „Jugendliche machen Brachland urbar“
Nach einem Findungsprozess wird es darum gehen, unter noch näher zu bestimmenden
Voraussetzungen, die Idee vom Paradies umzusetzten. Ort und Rahmen dafür kann der
Stadtumbau Rheinische Straße in Dortmund sein.
Die Umsetzung schließt die Beteiligten aus dem Findungsprozess mit ein.
Gedacht ist dabei an Jugendliche, die sich z. B. in der Berufsorientierung befinden, bewußt
in die Fragen von Planung, Umsetzung und Gestaltung mit einzubeziehen und über diesen
Weg die Belange von Kunst und Kultur erfahrbar zu machen.
Zugleich, wird durch ein konkretes „Tun“ eine erste berufliche Orientierung, Kompetenz und
Selbstwertgefühl entwickelt.
So ist es gewollt ganz konkret an einem Prozess beteiligt zu sein mit den Fragen : „Wie
mache ich ein Brachland urbar ?“,- oder: „Wie lege ich eine Bepflanzung an?“, „Wie
kümmere ich mich fachgerecht um die Tiere im Wildgehege?“,- so fern es denn ein
Wildgehege geben wird.
Vielleicht werden Bäche anlegt, Bäume gepflanzt und es entsteht tatsächlich ein Wildgehege,
wie in der alttestamentarischen Vorstellung beschrieben.
Von der Ideenfindung, über die Planung bis zur Umsetzung werden viele sogenannte
Wissensmodule entstehen, je weiter das Projekt voranschreitet.
Diese Wissensmodule sind als wichtiger Eckpfeiler zu verstehen und setzen die Bereitschaft
aller, an dem Projekt Beteiligten, voraus ihr Wissen weiterzugeben.
„Bildung und Wirtschaft, zwei bedeutende Prestigobjekte der Neuzeit, sind in der Krise.
Digitalisierung und Globalisierung zwingen Wissenschaft und Wirtschaft, sich neu zu erfinden. Vom
Kindergarten bis zur Hochschule, vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum Weltkonzern- viele
Menschen wissen nicht mehr, was sie von Bildungsinstitutionen und Wirtschaftsunternehmen halten
sollen [...].“ (vgl. Praktische Philosopie. „Paradise lost - wir sind aus dem Paradies vertrieben worden“.
http: www.uni-paderborn.de, Zugriffsdatum 30.10.2007)

Es wird bunt, - spektakulär und besinnlich zugehen auf der Baustelle Paradies.


Christoph Werdelmann und EWEDO GmbH Dortmund, Oktober 2007



Umsetzungsprojekt „Ursprüngliche Spielwelten für Kinder und Erwachsene“
Thesen zum Paradies
 Das Paradies ist machbar, denn sein Kennzeichen ist keinesfalls eine perfekte Ästhetik.
Das selbstverständliche Einfügen in die Umwelt und die Identifikation mit allem
Lebendigen schafft vielmehr ein Paradies
 Im Paradies gibt es keine Feinde sondern nur Partner, seien es Menschen oder Tiere
 Solidarität bringt eher paradiesische Zustände als Klugheit: die Lehre aus der
Vertreibung aus dem Paradies.
 Wo Menschen sich nicht um elementare Dinge sorgen müssen, können sie sich erst auf
etwas wie Religion und Beziehungen einlassen.
Projekte als Wege zum Paradies
 Individuelle Perspektiven mit gemeinsamen Zielen verbinden
 Die Sinnstiftung des Projekts wirkt nach Innen und Aussen
 Verschiedene Kulturen zusammenbringen
Kennzeichen paradiesischer Segmente
 Achtung vor unserer Umwelt als unserer gemeinsamen Wurzel
 Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen
Spielräume
 Ökologische Projekte, wie die Rückführung von Industriebrachen in Biotope
 Soziale Projekte, die ursprüngliche Spielräume für Kinder und Erwachsene schaffen


Stefanie Schmoll - Theologin aus Bochum, Oktober 2007

 
 

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